Karriere bei ISOTEC
Blog

Berufsbild systemischer Coach -und Changemanager/in: Mein Interview mit Sonja Schmitz

„Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen es in sich selbst zu finden“

(Galileo Galilei)

Gruppenbild Zertifikatsvergabe

Mit diesem Zitat hat Sonja Schmitz, unsere Mitarbeiterin für Expansion/Franchisepartnergewinnung, es auf den Punkt gebracht. Sie hat in den vergangenen Monaten berufsbegleitend eine Coaching Ausbildung absolviert und kann nun voller Stolz sagen „Ich habe es geschafft!“  Eine großartige Leistung wie wir finden, doch wie hat sie selbst diese Zeit erlebt und vor allem, was macht ein systemischer Coach überhaupt?

Mit diesen und noch einigen anderen Fragen im Gepäck, bat ich sie um ein spontanes Käffchen: 

Hey Sonja, schön, dass du einen Moment Zeit für mich hast! Du bist ja nun mit deiner Ausbildung zum systemischen Coach und zur Changemanagerin fertig. Wie fühlst du dich aktuell?

Sonja: Ich bin absolut glücklich und bei mir. Ich hatte dieses Ziel vor Augen, diese Weiterbildung zu machen, da ich mich von Anfang an mit dem Thema identifiziert habe und ich kann nur sagen, meine Vorstellungen und Erwartungen wurden alle erfüllt. Es hat sich absolut für mich bestätigt, dass es die richtige Entscheidung war, die Kraft dafür aufzubringen und neben meinem Beruf mich hinzusetzen und zu lernen, vor allem aber auch zu üben, üben und nochmal üben.

Wie lang ging deine Coaching Ausbildung?

Sonja: Etwa 10 Monate. Das Ganze war aufgeteilt in 6 Präsenz-Modulen, regelmäßigen Treffen in Lerngruppen, diversen Übungs-Coachings und dem Verfassen einer Hausarbeit. Das alles hatte eine Gesamtzeit von ca. 250 Ausbildungsstunden. 

Beschreib doch mal bitte kurz, was macht eigentlich ein systemischer Coach?

Sonja: Vorab vielleicht einmal kurz etwas zum Hintergrund, dann ist es verständlicher: Der Kern ist die Überzeugung, dass jeder Mensch in sich selbst und aus eigener Kraft heraus alle notwendigen Voraussetzungen mitbringt, um Potenziale zu entfalten, und sich positiv zu entwickeln. Als Coach nutze ich genau das und bin für meine Klienten eine Begleiterin bei z.B. schwierigen Klärungen und Entscheidungen. Ich unterstütze sie dabei, selbst einen Ansatz, einen Weg, eine Lösung zu finden und alle dafür relevanten Aspekte, Informationen und Hintergründe zu beleuchten. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich nicht berate und nicht steuere, maximal gebe ich Impulse, um neue Denkrichtungen zu eröffnen. Das können private Themen und Umfelder (oder Systeme) sein; ebenso geschäftliche Themen und Umfelder. 

Beim systemischen Coaching gilt also die Grundannahme, dass Veränderungen des Systems durch die Veränderung in sich selbst initiiert werden und umgekehrt. Deshalb gefällt mir das Zitat von Galileo Galilei so gut, da es den Nagel auf den Kopf trifft.

Was sind die Schwerpunkte einer solchen Ausbildung? 

Sonja: Grob gesagt, wo kommt Coaching psychologisch betrachtet überhaupt her, welche Wurzeln und welches Menschenbild legen wir zugrunde. Personen- und systemkonzentriert zu arbeiten und zu unterstützen. Das Verständnis dafür zu erlangen, wie eine Coachingsitzung und ein Coachingprozess überhaupt  aufgebaut wird. Natürlich auch wie man es schafft, bei Veränderungsprozessen, die z.B. in Unternehmen erarbeitet und initiiert werden, jeden einzelnen mit auf die Reise zu nehmen. Es kommt auch vor, dass sich einzelnen Klienten oder auch Teams / Gruppen in Krisen befinden. Auch hierfür finden wir Ansätze, um sie von der Krisen-Trance in eine Lösungsorientierung zu führen. Darüber hinaus möchte ich auch mich als Coach definieren und herausfinden, welche Themen, Klienten liegen mir eigentlich besonders. Also, wer bin ich überhaupt als Coach?!

Ausbildung systemischer Coach

Was war für dich die größte Herausforderung in der ganzen Schulungs- und Lernphase?

Sonja: Direkt zu Beginn wurde ich, aber ich glaube, das kann ich stellvertretend für unsere gesamte Gruppe sagen, ziemlich herausgefordert. Uns wurde das Konzept der Mikrothesen vermittelt, mit dem man sich als Coach Schritt für Schritt in die Gedankenwelt eines Klienten hineinfindet. Wenn ich mehr über eine Person erfahren möchte, stelle ich ihr in der Regel Fragen. Und genau das war hier nicht gewünscht! Diese Methodik soll dem Coach helfen, sich schrittweise an ein mögliches Anliegen des Klienten heranzutasten und gleichzeitig die Aufmerksamkeit stetig bei ihm / ihr zu lassen – eben personen- / klientenzentriert. Das ermöglicht einen Abgleich des Gesagten und macht es einfacher Reaktionen zu zeigen bzw. das Gehörte zu reflektieren, ohne sich dabei ablenken zu lassen. Es geht also darum den Klienten bei seiner Reflexion zu unterstützen und ihn nicht im Gespräch zu führen. Wir haben das ziemlich intensiv geübt und ich fand es erstaunlich, wie klein der Unterschied ist zwischen einer Mikrothese und einer Frage, aber wie groß die daraus resultierende Wirkung ist. Dadurch kann ein Gespräch komplett anders verlaufen. Eine andere Herausforderung war aber auch das Thema „Team- / Gruppencoaching“. Hier hast du nicht mehr nur eine Person vor dir sitzen, sondern du versuchst, alles von allen Teilnehmern aufzunehmen und zu verarbeiten – eben systemisch zu arbeiten.

An welche Momente erinnerst du dich besonders gerne zurück?

Sonja: Da gibt es ganz viele! Bestimmte Übungssituationen, das Wiedersehen der Leute bei den Modulen und natürlich auch so etwas wie der Abschluss mit der Zertifikatsvergabe. Aber einen Moment möchte ich noch hervorheben: Das war der erste halbe Tag. Wir Teilnehmer hatten uns ja noch nie zuvor gesehen und normalerweise kennt man nur diese typischen Vorstellungsrunden. Hier hatten wir eine ganz besondere Form des Kennenlernens, nämlich non-verbal. 

Wir haben im Vorfeld den Hinweis bekommen, dass wir nicht miteinander reden durften und wurden kurz nachdem wir uns im Raum versammelt haben in kleine Gruppen aufgeteilt. Ziel war es nur anhand des optischen Eindrucks und anhand der reinen Intuition herauszufinden, wer sein Gegenüber als Mensch ist. Welche Hobbys hat er, was macht er oder sie beruflich, was macht ihn / sie aus usw. Es hatte also auch sehr viel mit Empathie zu tun. Als es dann später aufgelöst wurde, war es wirklich überraschend, wie viele Übereinstimmungen es intuitiv gegeben hat.

Was kannst du Weiterbildungsinteressierten mit auf den Weg geben? Worauf sollten sie in jedem Fall achten, bevor sie eine solche Weiterbildung anstreben, bzw. was sollten sie an Fähigkeiten und Kompetenzen mitbringen?

Sonja: Man sollte schon eine gewisse persönliche Reife mit sich bringen, mit beiden Beinen im Leben stehen und man sollte auch die Fähigkeit und den Willen haben, sich selbst zu reflektieren. Hinzu kommt noch, dass man ein gewisses Interesse daran haben sollte,  sich mit anderen Menschen und deren Entwicklung zu beschäftigen. Für eine konstruktive Arbeit mit Menschen benötige ich eine gewisse grundlegende Haltung und Werte. Ich denke, zusammengefasst in drei Stichwörtern: Empathie, unbedingte Wertschätzung und Authentizität.

 

Sonja ich danke dir für deine offenen Worte und das nette Gespräch und ich bin gespannt, welches Projekt für dich als nächstes auf dem Plan steht! 

 

 

Über die Autorin:

Jennifer Kokoschka - Personalfachkauffrau

Jennifer Kokoschka

Personalfachkauffrau

 

Nach meiner Ausbildung zur Industriekauffrau und langjähriger Tätigkeit im Research und Recruiting für eine Personal- und Unternehmensberatung habe ich eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Personalfachkauffrau abgeschlossen. Nun bin ich seit Anfang September 2017 ein neues Mitglied der ISOTEC-Familie. In meiner täglichen Arbeit unterstütze ich das Team der HR-Abteilung in Recruitingprozessen und Personalmarketing. Die tägliche Arbeit mit Menschen, das Erkennen von Potentialen und dort anzusetzen um Menschen zu fördern und Sie zu wertvollen und unverzichtbaren Mitarbeitern zu formen ist das schönste Feedback was man als Geschenk bekommen kann. Genau deshalb schätze und liebe ich die Arbeit im HR-Bereich.

 

Beliebte Artikel